| Veranstaltung: | Stadtparteitag Kommunalwahlprogramm & LDK-Delegiertenwahl GRÜNE Dresden |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 2. Diskussion und Beschluss des Kommunalwahlprogramms |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Stadtparteitag |
| Beschlossen am: | 13.01.2024 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
VIII. Dresden begeistert alle – große und kleine Kunst in der ganzen Stadt
Text
VIII. Dresden inspiriert alle – Kunst und Kultur für die ganze Stadt
Dresden weist eine lebendige Kulturszene und eine große Dichte an
strahlkräftigen Kultureinrichtungen auf. Diese Vielzahl und Qualität gilt es
auch für künftige Generationen zu sichern.
Wir BÜNDNISGRÜNE wollen die Kunst- und Kulturszene in der Stadt schützen, denn
sie ist eine wichtige Basis und ein Indikator für die demokratische
Gesellschaft. Gerade in Zeiten, in der diese unter Druck gerät, gilt es, die
Freiheit der Kunst gegen Angriffe zu verteidigen. Die gesellschaftliche Relevanz
von Kultur erschließt sich aktuell umso mehr: Sie verbindet verschiedene soziale
Gruppen, sie ist ein Aushandlungs- und Experimentierfeld für gesellschaftliche
Diskussionen und bietet einzelnen die Möglichkeit, sich auszudrücken und
Selbstwirksamkeit zu erfahren. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass noch mehr
Menschen am Kultur-Erleben und -Schaffen in Dresden teilhaben können.
Daneben wollen wir GRÜNE insbesondere auch die Freie Szene Dresdens stärken. In
den vergangenen Jahren war sie von der Corona-Pandemie in besonderem Maße
betroffen. Die oftmals schlechten Arbeitsbedingungen und Finanzierungslücken
traten offen zu Tage. Gerade deshalb muss Dresden seiner Verantwortung hier
künftig noch besser gerecht werden.
Die Freie Szene stärken
Wenn Dresden das kreative Potential in der Stadt ausschöpfen will, braucht es
bessere Rahmenbedingungen für die Freie Szene. Die Verwaltung sollte sich
deshalb noch mehr als Dienstleisterin des Kulturbereichs verstehen, die im
ständigen Austausch mit den Kulturakteur*innen steht, bestehende Barrieren
abbaut und die eigene Arbeit – auch bei den verschiedenen Förderinstrumenten –
agil den aktuellen Herausforderungen anpasst.
Die Akteur*innen der Freien Szene stehen gegenüber den kommunalen
Kultureinrichtungen personell, strukturell und organisatorisch schlechter da,
produzieren aber ebenso innovative Angebote für die Stadt. Wir setzen uns dafür
ein, dass sich beide Seiten gegenseitig bereichern und unterstützen können. Dazu
wollen wir eine interdisziplinäre Vernetzung der Dresdner Kulturschaffenden
ermöglichen, die durch die Kulturverwaltung begleitet und unterstützt wird.
Für die kommunale Kulturförderung als wichtige Finanzierungsquelle der Freien
Szene möchten wir einen Inflationsausgleich durchsetzen und damit einen
automatischen Mittelaufwuchs, um die Breite der geförderten Kulturszene
langfristig zu erhalten und für die Institutionen und Akteur*innen bessere
Planbarkeit über mehrere Förderperioden hinweg zu erreichen.
Kunst und Kultur fair bezahlen
Dresden kommt seiner Verpflichtung, Kulturschaffende fair zu bezahlen noch nicht
in ausreichendem Maße nach. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Stadt
zukünftig verbindliche Honoraruntergrenzen und eine
Ausstellungsvergütungsrichtlinie für die kommunale Kulturförderung einführt. Als
Grundlage dafür kann das Konzeptpapier der Stadtverwaltung „Fair in Dresden“
dienen. Dazu müssen die Mittel der kommunalen Kulturförderung erhöht werden und
insbesondere bei der Projektförderung faire Künstler*innen-Honorare finanziert
werden.
Aber auch in den städtischen Kultureinrichtungen arbeiten Angestellte und
Honorarkräfte häufig noch nicht unter fairen Bedingungen. Wir setzen uns deshalb
ebenso hier für eine faire Vergütung und gute Arbeitsbedingungen aller
Mitarbeiter*innen ein – egal ob als festangestellte oder als freie..
Kultur braucht Raum
Die Atelier-, Arbeits- und Proberaumsituation in Dresden ist seit vielen Jahren
angespannt. In den vergangenen Jahren sind noch mehr Räume in der Stadt
weggefallen. Damit Dresden attraktiv für Kulturakteur*innen bleibt, muss die
Stadt sie bei der Raumsuche unterstützen. Deshalb braucht es eine städtisch
geförderte Kreativraumbörse, die bei der Vermittlung von Räumen hilft. Wir
wollen zudem auch mit dem Citymanagement zusammenarbeiten, um mehr temporäre
Nutzungen, insbesondere von leerstehenden Ladengeschäften, zu ermöglichen.
Wir GRÜNE setzen uns zudem für die Schaffung eines städtischen Atelier- und
Probenhauses ein, um der Raumknappheit zu begegnen. Dafür möchten wir die
ehemaligen Gebäude der Staatsoperette in Leuben nutzen. Dieser Standort ist
bereits im kommunalen Besitz und kann für den Dresdner Osten wieder ein
wichtiger Kulturort werden.
Langfristig benötigt Dresden einen Gesamtplan, um der Raumknappheit bei Kultur-
und Kreativorten, insbesondere von bezahlbaren Probe- und Atelierräumen, zu
begegnen, und die nötigen finanziellen Mittel, um diesen auch zu realisieren.
Wünschenswert wäre dabei eine dezentrale Verteilung solcher Orte, damit Kunst
und Kultur auch in den Stadtteilen für mehr Menschen erreich- und erlebbar wird.
Die aktuell bereits bestehende Raumförderung wollen wir ausweiten, damit mehr
Kulturschaffende diese nutzen können.
Ein Ankaufsetat für kommunale Grundstücke kann hierbei ein wichtiger Baustein
für den Kulturbereich sein, um Orte für eine kulturelle, soziale und
gemeinschaftliche Nutzung zu erhalten und auch neue zu schaffen.
Die Vielfalt der Städtischen Häuser erhalten
Dresdens kommunale Kulturinstitutionen sind ein Garant für die Vielfalt der
städtischen Kulturlandschaft. Sie schaffen ein breites Angebot sowohl für
Einwohner*innen als auch für Tourist*innen. Diese Vielfalt wollen wir
langfristig sichern und weiterentwickeln, zeitgemäße Strukturen, Programmatik
und mehr Nachhaltigkeit fördern sowie die Einrichtungen dabei unterstützen, die
in den letzten Jahren gestiegenen Personal- und Betriebskosten zu decken. Wir
wollen die dringend erforderliche Sanierung wichtiger Kultureinrichtungen, wie
zum Beispiel die Technischen Sammlungen Dresden, vorantreiben.
Wir unterstützen zudem den Ankauf der Robotron-Kantine als neuen Standort für
das Kunsthaus Dresden und die Ostrale. Der alte Standort des tjg in Dresden-
Cotta soll bei der Entwicklung im Rahmen einer EFRE-Förderung eine kulturell-
öffentliche Nachnutzung erhalten.
Green Culture: Mehr Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb anstreben
Auch für viele Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden stellt sich in Zeiten
von Klimakatastrophe und Ressourcenverschwendung die Frage nach Green Culture
und mehr Nachhaltigkeit. Es gibt bereits viele Initiativen und Akteur*innen in
Dresden, die mit großem Einsatz versuchen, ressourcenschonender zu arbeiten und
den Kulturbetrieb ökologisch auszurichten. Der neu eingeführte digitale CO₂-
Rechner ist hierbei ein wichtiges Instrument - nicht nur für die
Kultureinrichtungen, sondern auch für die Freie Szene. Mit diesem lassen sich
erstmals genaue Emissionen im Kulturbetrieb bemessen und anhand dieser Daten
konkrete Maßnahmen zur Reduktion ableiten.
Wir unterstützen den von der Landeshauptstadt Dresden begonnenen Prozess
„Culture for Future“, um Nachhaltigkeitsstrategien mit den städtischen
Kultureinrichtungen zu entwickeln. Diesen wollen wir auf weitere Institutionen
ausweiten. In der Kulturverwaltung wollen wir mehr Personalstellen schaffen, die
diesen Prozess in den Kultureinrichtungen und in der Freien Szene unterstützen.
In der Materialwirtschaft des Kulturbereichs kann mit mehr Re- und Upcycling
ressourcenschonender gearbeitet werden und können konkrete Schritte hin zu einer
Kreislaufwirtschaft gegangen werden. Wir wollen deshalb Upcycling in der Kunst
fördern und setzen uns für die Idee des Reallabors Zentraldepot ein.
Innerhalb der Dresdner Eventkultur wie bei Festivals oder Stadt(teil)festen
wollen wir mehr Nachhaltigkeitsstrategien und Recycling unterstützen und die
städtische Förderung verstärkt an umweltfreundliches Handeln knüpfen.
Kulturelle Bildung von Anfang an etablieren
Kulturelle Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher muss sie
allen Menschen ermöglicht werden, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer
Lebenssituation. Die Auseinandersetzung mit Kultur schult und schärft emotionale
und soziale Schlüsselkompetenzen.
Besonders an Schulen und Kitas braucht es deshalb mehr Angebote der Kulturellen
Bildung, da hier wichtige Grundlagen gelegt werden, um Kinder an Kunst und
Kultur heranzuführen. Um dies gerade im Hinblick auf einen größer werdenden
Lehrer*innenmangel zu ermöglichen, möchten wir mehr freischaffende
Künstler*innen in die Kulturelle Bildung einbeziehen. Dazu muss die Vermittlung
zwischen Schulen und Kitas sowie den Künstler*innen vereinfacht werden. Wir
schlagen dazu die Einrichtung einer/eines Kulturagent*in innerhalb der
Kulturverwaltung vor, die/der ein Gesamtkonzept für Dresden entwickelt und bei
Vermittlung und Beratung hilft.
Daneben wollen wir den Betrieb der Schulbibliotheken weiterführen und
langfristig alle Schulen damit ausstatten. Dies soll in Zusammenarbeit und unter
Federführung der Städtischen Bibliotheken geschehen.
Darüber hinaus werden wir die Zusammenarbeit bei der kulturellen Bildung auf
Ebene der Stadtteile, unter Einbeziehung der Stadtbezirksbeiräte, verbessern und
dafür Sorge tragen, dass es ausreichend viele Angebote der kulturellen Bildung
auch im unmittelbaren Lebensumfeld gibt.
Stadtteilkultur und kulturelle Teilhabe ausbauen
Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass kulturelle Angebote auch vor der eigenen
Haustür erlebbar sind. Die Vielfalt der Dresdner Stadtteilfeste wollen wir darum
erhalten und werden diese im Stadtrat und den Stadtbezirksbeiräten weiter
unterstützen.
Unser Ziel ist es außerdem, dass langfristig alle Stadtteile Kultur- und
Nachbarschaftszentren mit niederschwelligen kulturellen Angeboten erhalten.
Diese Stadtteil- und Nachbarschaftszentren können auch als Freiräume für die
individuelle Nutzung der Einwohner*innen und als Begegnungsorte dienen.
Die Städtischen Bibliotheken leisten einen wichtigen Beitrag für das Kultur- und
Bildungserlebnis vor der eigenen Haustür: als Medienorte, Raum für Begegnungen
und als Orte der kulturellen Bildung. Wir wollen diese wichtige Arbeit der
Bibliotheken weiter durch eine auskömmliche Finanzierung sicherstellen. Die
aktuellen Standorte wollen wir langfristig erhalten und die Erreichbarkeit für
die verschiedenen Nutzer*innengruppen erhöhen, indem wir uns für erweiterte
Öffnungszeiten von Montag bis Sonntag einsetzen.
Clubkultur & Open Air Events als Teil der Jugendkultur unterstützen
In einer dichter werdenden Stadt sinkt die Anzahl an Freiräumen auch für die
Dresdner Clubszene. Wir GRÜNE möchten diese als essentiellen Teil des
kulturellen Lebens in Dresden erhalten. Um einer weiteren Verdrängung der Szene
entgegenzuwirken, müssen die Orte der Clubkultur zukünftig bei der Aufstellung
von Bebauungsplänen geschützt werden.
Wir GRÜNE möchten auch dem Bedürfnis vieler Menschen nach mehr Freiheiten im
öffentlichen Raum entgegenkommen. Freiluftpartys gehören in Dresden inzwischen
fest zur subkulturellen Szene. Aufgrund des bisherigen generellen Verbotes
finden diese Veranstaltungen oft an Orten statt, die aus Umwelt-, Natur- und
Lärmschutzgründen sowie gerade im Hochsommer aus Brandschutzaspekten nicht
geeignet sind. Wir möchten nichtkommerzielle Freiluftpartys auf ausgewählten
städtischen Flächen unter Berücksichtigung des Lärm- und Naturschutzes mit einem
einfachen Anmeldeverfahren ermöglichen.
Mehr Kunst im öffentlichen Raum und legale Flächen für Streetart und Graffiti
Kunst im öffentlichen Raum gehört zum Wesen einer Großstadt. Sie stößt Debatten
an, ist wichtiger Teil der Erinnerungskultur und kommentiert das Zeitgeschehen.
Wir GRÜNE wollen deshalb ein Prozent des Kulturetats für Kunst im öffentlichen
Raum einsetzen. UrbanArt (StreetArt und Graffiti) ist ein wesentlicher
Bestandteil dieser Kunstform und trägt durch ihren oft spontanen, humorvollen
und kommentierenden Charakter zum öffentlichen Diskurs bei. Wir werden deshalb
mehr legale Flächen für Graffitikunst schaffen und wollen ausgewählte Flächen in
städtischem Eigentum dafür freigeben.
Straßenkunst und deren Qualität fördern
Wir wollen die Entwicklung von Dresdens Straßenkunstszene weiter fördern.
Vielfalt in den Angeboten, Abwechslung und künstlerische Qualität sollen auch
durch städtische Maßnahmen und Vorgaben gestärkt werden. Einen Ausschluss von
Darbietungen aufgrund von Instrumenten mit integrierten oder externen
Verstärkern lehnen wir ebenso ab, wie eine weitere Enschränkung von Kunst,
welche von Musik begleitet wird. Den Ausgleich mit den Interessen von
Anwohner*innen wollen über Lautstärkenregelungen und vernünftige Festlegungen zu
Plätzen und Zeiten erreichen. Die Bürokratischen Hürden müssen insgesamt aber
auf das notwendigste begrenzt bleiben. Wir setzen uns für einen kontinuierlichen
Austausch zur Straßenkunst, deren Chancen und Problemlagen ein. Bei anstehenden
Umgestaltungen innerstädtischer Plätze wollen wir prüfen wo attraktive und
konfliktarme Auftrittsorte für Straßenkunst entstehen können. Die Stadt soll
auch deine Bühne sein.