| Veranstaltung: | Stadtparteitag Kommunalwahlprogramm & LDK-Delegiertenwahl GRÜNE Dresden |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 2. Diskussion und Beschluss des Kommunalwahlprogramms |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Stadtparteitag |
| Beschlossen am: | 13.01.2024 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
VII. Dresden lernt länger gemeinsam – Grundlagen einer klugen Stadt
Text
VII. Dresden lernt länger gemeinsam – Grundlagen einer klugen Stadt
In Zeiten, in denen sich die Welt und unsere Gesellschaft rasant verändern,
bedarf es nicht nur vielfältiger Bildungsangebote sondern auch der Möglichkeit
für möglichst viele, an diesen teilnehmen zu können. Bildung hat eine enorme
Bedeutung für die Stabilität der Demokratie, denn bietet das Rüstzeug, das die
Bürger*innen befähigt, ihre Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Neues zu lernen
ist immer auch ein Weg, sich persönlich weiterzuentwickeln. Für uns GRÜNE ist es
wichtig, dass Bildungsangebote für alle Dresdner*innen existieren und zugänglich
sind, denn wir verstehen Lernen als einen lebenslangen Prozess. Neben guten
Bildungseinrichtungen für Heranwachsende, Kindertageseinrichtungen und Schulen,
braucht es auch vielfältige Möglichkeiten der Erwachsenenbildung .
Ein wichtiger Aspekt liegt für uns hier auch auf den herausfordernden
Veränderungen im städtischen Raum. Wir wollen mehr Menschen befähigen, sich
besser auf die veränderten klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen
einzustellen und ihre persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der
laufenden und anstehenden Transformationsprozesse zu sehen und zu nutzen.
Ebenso erkennen wir die herausfordernde Situation in Dresdner Schulen. Für
Investitionen in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung, für
bedarfsgerechte Schulentwicklung und für die Stärkung multiprofessioneller Teams
stehen in den nächsten Jahren bundesweit 20 Milliarden Euro zur Verfügung. Wir
setzen uns dafür ein, dass diese Mittel auch in Dresden zielgerichtet dort
ankommen, wo Bildungschancen noch immer durch die soziale Herkunft geschmälert
werden. Außerdemist es uns ein großes Anliegen, die systemische Zusammenarbeit
zwischen der Landeshauptstadt als Schulträger, dem Sächsischen Ministerium für
Kultus und den Schulgemeinschaften öffentlicher und freier Schulen zu stärken.
So sollen alle Beteiligten ihren größtmöglichen Beitrag leisten können, damit
Kinder und Jugendliche in Dresden bestmögliche Schulbedingungen vorfinden. Uns
GRÜNEN liegen dabei fachübergreifende Kompetenzen wie politische Bildung,
Medien- und Umweltbildung besonders am Herzen.
Wir werden besonderes Augenmerk darauf richten, ob die Prognosen rückläufiger
Anmeldezahlen an Dresdner Schulen so eintreten oder ob in einzelnen Teilen der
Stadt Erweiterungen oder Neubauten nötig sind bzw. werden. Wo der Bedarf an
Schulplätzen zurückgeht, wollen wir freiwerdende Kapazitäten für eine
Verbesserung der Lernqualtität und Unterstützungsangebote nutzbar machen.
Freiwerdende Investitionsmittel sollen auch zur Verbesserung der bestehenden
Lernorte eingesetzt werden.
Schulen durchdacht planen und sanieren
Wir GRÜNE wollen die energetische Modernisierung von Schulgebäuden vorantreiben.
Dafür werden im Angesicht sinkender Schüler*innenzahlen Kapazitäten frei: Die
großen Schulneubauprojekte sind mit wenigen Ausnahmen weitgehend abgeschlossen.
Jetzt muss endlich auch der Bestand jenseits des Gymnasium in den Fokus rücken.
Dabei soll die Energieversorgung über erneuerbare Energien erfolgen. Dafür
braucht es weitere umfassende Investitionen, um bisher nicht berücksichtigte
Standorte entsprechend der Dresdner Schulbauleitlinie zu sanieren.
- Absatz -
Auf der Grundlage einer systematischen Erfassung der verschiedenen
Schulassistenzsysteme in den Schulen und deren Raumbedarf wollen wir diese
Bedarfe zukünftig in der Schulbauplanung stärker berücksichtigen – sei es durch
speziell gewidmete Räume innerhalb der Schule oder im nahen Umfeld. Auch die
besonderen räumlichen Anforderungen der pädagogischen Konzepte von
Gemeinschaftsschule sollen zukünftig in der Bauleitlinie abgebildet sein.
Insgesamt setzen wir uns dafür ein, das Bildungsräume, sei es der Klassenraum,
die Turnhalle oder der Spielplatz anspruchsvoll und nachhaltig gestaltet werden.
Schöne, akustisch gute und aus gesunden Baumaterialien erschaffene Räum fördern
schließlich den Bildungserfolg erheblich.
Schulhöfe müssen so gestaltet werden, dass sie auch unter sich ändernden
klimatischen Bedingungen ein guter Aufenthaltsort für Kinder sind. Damit die
Außenanlagen von Schulen auch zukünftig ganzjährig und ganztags ohne
gesundheitliche Risiken nutzbar sind, streben wir eine entsprechende Gestaltung
mit ausreichender Beschattung an. Zudem ist es uns ein Anliegen, dass Schulen
mit ihrer Bepflanzung und ihrem Baumbestand positiv zum Mikroklima im Stadtteil
beitragen.
Mehr Gemeinschaftsschulen für Dresden ermöglichen
Wir wollen die Zahl der Gemeinschaftsschulen in Dresden in der nächsten
Wahlperiode erhöhen. So soll perspektivisch an mindestens vier weiteren
Standorten das gemeinsame Lernen ab Klasse 1 bis Klasse 10 eingeführt werden.
Dabei sollen insbesondere sozial benachteiligte Standorte sowie Schulstandorte
mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund entwickelt werden. Neben
Schulneubauten, die sich an der Schulnetzplanung der Stadt und daraus
erkennbaren Versorgungslücken orientieren sollen, wollen wir auch die
Möglichkeit für Campus- oder Clustergemeinschaftsschulen schaffen. Dadurch
können räumlich nahe beieinander liegende Grund- und Oberschulen eine
Gemeinschaftsschule bilden.
Schulen als sozialen und interkulturellen Begegnungsraum gestalten
Schulen sind nicht nur Lern-, sondern auch Begegnungsorte. Sie gewinnen in
unserer Stadt auch als sozialer Ort immer mehr an Bedeutung. Deshalb setzen wir
uns für die weitere Öffnung von Schulen und Schulhöfen in den Stadtraum ein.
Schulräume können jenseits der Schulzeit Treffpunkte bürgerschaftlichem
Engagements sein. Aufwendig gestaltete Schulhöfe sind geeignete Spielräume für
Kinder aber auch hochwertige, zugängliche Sportplätze schaffen. Ebenso bieten
Schulhöfe eine Möglichkeit zur begleiteten Jugendarbeit. Im Zuge dieser Öffnung
fordern wir in weiteren Schwerpunktvierteln ein Angebot für Familien, ganz nach
dem Vorbild von KiNET in Prohlis und Gorbitz.
Mit Angeboten zur Qualifizierung für Angestellte an Bildungseinrichtungen wollen
wir die interkulturellen Kompetenzen sowie den professionellen Umgang mit
geschlechtlicher und sexueller Vielfalt durch das Personal an Kitas und Schulen
stärken und sie zu inklusiven Orten frei von Diskriminierung machen.
Familienschulzentren fördern Bildungsgerechtigkeit
Wir Grüne setzen uns für mehr Bildungsgerechtigkeit in Dresden ein. Der Dresdner
Bildungsbericht von 2019 zeigt deutlich den negativen Zusammenhang zwischen
Herkunft, Geschlecht, Migrationshintergrund und den Chancen auf Bildungsteilhabe
und Bildungserfolg. Bei der Mittelvergabe muss der Schwerpunkt insbesondere auf
Schulen in sozialen Brennpunkten und mit besonderen Herausforderungen liegen,
die auch für die Mittelweitergabe aus Förderprogrammen des Landes und des Bundes
priorisiert berücksichtigt werden sollten. Diese Index-Schulen sollen in
Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro laufend ermittelt werden.
Als erste Maßnahme unterstützen wir ausdrücklich die sieben Standorte der
Familienschulzentren. Schulen, die sich zu Familienschulzentren
weiterentwickeln, werden zu Orten der Begegnung, Bildung und Beratung für Eltern
und Familien im Stadtteil. Ziel ist es, vor allem Eltern in sozial
herausfordernden Lagen in ihrer Rolle als Unterstützer*innen der Schullaufbahn
ihrer Kinder zu stärken. Die Schulen öffnen sich in den Sozialraum hinein,
werden zu einer niedrigschwelligen, ersten Anlaufstelle für alle Eltern im
Stadtteil und erleichtern deren Zugang zu bestehenden Unterstützungsangeboten.
IT-Betreuung an Schulen intensivieren und professionalisieren
Wir wollen die Pädagog*innen an den Schulen entlasten und die IT-Betreuung der
Schulen auf solidere Füße stellen, denn die technische Betreuung der Schul-IT
gehört in professionelle Hände. Lehrer*innen haben so die Möglichkeit, sich
stärker auf die inhaltlichen Aspekte der Digitalisierung und passende
Medienkonzepte zu fokussieren.
Wir planen fordern, perspektivisch in allen Stadtbezirken IT-Servicestellen
einzurichten, die die Schulen im jeweiligen Einzugsgebiet intensiv und zeitnah
betreuen – vor Ort und remote. Diese Servicestellen sollen möglichst nah an den
Schulen liegen oder bei entsprechendem Platzangebot direkt in den Schulen. Die
Betreuung mehrerer Schulen in einem Stadtbezirk erlaubt einen kosteneffizienten
Einsatz von Ressourcen bei gleichzeitiger räumlicher Nähe. Um die Arbeit der IT-
Servicestellen möglichst effizient gestalten zu können, gilt es, die IT-
Landschaft an den Schulen möglichst zu standardisieren, sowohl software- als
auch hardwareseitig. Die an den Schulen genutzten Programme sollen idealerweise
Open Source sein. Für lizenzpflichtige Programme soll geprüft werden, ob eine
Lizenzierung über die städtischen Bibliotheken bzw. die Schulbibliotheken
möglich ist.
Wir streben mittelfristig an, dass alle Schüler*innen mit zeitgemäßer Hardware
lernen können. Hierfür sollen Mittel des Digitalpakts 2.0 eingesetzt werden.
Zusätzlich wollen wir ein Programm aufsetzen, durch welches von Unternehmen und
anderen gespendete zeitgemäße Laptops und Geräte aufbereitet und dann
Schüler*innen bzw. bei ausreichend großen Stückzahlen auch Schulen zur Verfügung
gestellt werden können.
Wir streben mittelfristig an, dass allen Schüler*innen ein individuelles
digitales Endgerät zur schulischen Nutzung zur Verfügung steht. Hierfür sollen
vorrangig Mittel des Digitalpakts 2.0 eingesetzt werden.
Sicher in Bildungseinrichtungen ankommen
Uns GRÜNEN sind sichere Verkehrswege zu Bildungseinrichtungen ein besonderes
Anliegen. Wir setzen uns schon lange unter dem Motto „Tempo 30 vor Schulen und
Kitas“ für eine Verkehrsberuhigung rund um diese Einrichtungen ein, um Kindern
einen sicheren Weg zu ermöglichen. Die eingerichteten Tempo-30-Zonen müssen
verstärkt kontrolliert werden. Für sichere Schulwege wollen wir zudem die
Ausweitung des Einsatzes von Lotsen fördern und mehr Fußgängerüberwege auf
typischen Schulwegrouten einrichten.
Bei Straßenbauprojekten sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Schulwegsicherheit
zum Beispiel an Kreuzungen besondere Berücksichtigung finden. Schulstraßen sehen
wir als ein geeignetes Mittel, um die Verkehrssituation vor Schulen sicherer zu
gestalten. Wir unterstützen und begleiten Standorte, welche dieses Projekt
durchführen wollen.
Sprachförderung intensivieren – bedarfsgerechtes Ganztagsangebot
Kommunikation und Sprache bilden die Grundlage sozialer Beziehungen und
erfolgreichen Lernens. Kinder brauchen dafür eine stabile sprachliche Basis. Wir
erwarten, dass die Stadt ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung ausschöpft. Dies
bezieht sich neben dem Bereich Schule auch auf Kindertagesstätten. Die
Integration von Sprachtherapeut*innen bildet eine wichtige Voraussetzung. Wir
unterstützen dafür die Weiterentwicklung und bedarfsgerechte Ergänzung der
Sprach-Kitas durch den Freistaat neben weiteren integrativen Maßnahmen. Wir
GRÜNE wollen so eine möglichst gute Vorbereitung auf die Schule ermöglichen. Für
den Eigenbetrieb Kindertagesstätten wollen wir ein darauf ausgerichtetes
Weiterbildungsprogramm ins Leben rufen sowie regelmäßige Qualifizierungsangebote
einrichten. Kindergärten, Schulen und berufsbildende Schulen in freier
Trägerschaft sind eine wichtige Ressource der städtischen Bildungslandschaft und
sollten deshalb von der Stadt im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten ebenso
im Bereich Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache unterstützt werden.
Spracherfahrungen mehrsprachiger Kinder brauchen dabei dringend eine positive
Berücksichtigung
Kindertagesbetreuung weiterentwickeln
Qualitativ gute Kindertagesbetreuung ist die Grundlage für die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf und der Grundstein für die Bildungsbiografie. Dafür braucht
Dresden auch künftig vielfältige Betreuungsangebote, die den Familien flexible
und passfähige Lösungen bieten. Für die vielfältigen Anforderungen mit Blick auf
Spracherwerb, Nachhaltigkeit, interkulturelle Kompetenz, Demokratiebildung,
Inklusion und Förderung sozialer Kompetenzen brauchen Fachkräfte regelmäßig und
zuverlässig Zugang zu Angeboten der Fortbildung, der Fachberatung, der
beruflichen Praxisberatung und zum kollegialen Austausch sowie Ausstattung und
gute Vernetzung. Der Personalschlüssel muss diese Freiräume schaffen und
gleichzeitig Personalschwankungen durch Krankheit etc. berücksichtigen.
Ernährung und Bewegung als Lernfelder in Kita und Schule verankern
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung bilden die Grundlage für
eine altersgerechte Entwicklung. Wir GRÜNE sehen es als essentiell an, dass
Kinder bereits im jungen Alter saisonale und regionale Lebensmittel als festen
Bestandteil in ihrem Alltag kennen. Wir wollen das Schul- und Kitaessen diesem
Standard anpassen und dabei auch den Anteil an weggeworfenen Speisen minimieren.
Weiterhin sollen Bewegungs- und Sportangebote in den Einrichtungen gefördert
werden. Neben zeitlichen Möglichkeiten müssen auch entsprechende Örtlichkeiten
geschaffen werden, um Kindern und ihren Familien genügend Raum bieten zu können.
Dafür müssen ebenfalls Sporthallen instandgesetzt bzw. neu errichtet werden.
Erwachsenenbildung fördern
Wir GRÜNE sprechen dem lebensbegleitenden Lernen eine besondere Bedeutung zu.
Wir wollen die vielfältigen Institutionen der Erwachsenenbildung in Dresden, wie
etwa Volkshochschule, städtische Bibliotheken und andere, die sich mit ihren
Bildungsangeboten an ganz unterschiedliche Altersgruppen richten, unterstützen
und fördern. Im Zuge der rasanten Entwicklung unserer Lebenswelt sind für ältere
Menschen verschiedenste Bildungsangebote von besonderer Bedeutung.
Seniorenbegegnungsstätten sind wertvolle Institutionen im Sozialraum, die
gestärkt werden müssen. Neben der Möglichkeit der formalen Bildung übernehmen
diese Treffpunkte auch die Aufgabe des Erhalts bzw. Aufbaus von sozialen
Kontakten auch im Alter. Wir GRÜNE wollen sicherstellen, dass dafür im ganzen
Stadtgebiet ausreichend Räume zur Verfügung stehen.
Wir setzen uns dafür ein, dass es auch in den Randgebieten der Stadt mehr
Bildungseinrichtungen und entsprechende Angebote gibt. Die Zweigstellen der
Städtischen Bibliotheken spielen hier eine entscheidende Rolle. Es braucht neben
geeigneten Räumen v.a. auch entsprechendes Personal, um diese mit Leben zu
füllen und eine angemessene Betreuung der Angebote sicherzustellen. Dazu bedarf
es auch der Förderung und des Ausbaus des kommunalen Ehrenamts.